Technology Review: Wege aus dem Stau

Kommentierte Notizen aus der TR Nr. 7

Mehr Staus bewirken, dass die Nutzung des Autos unattraktiver wird und derzeit gibt es nur eine wirksame Strategie gegen den Stau: Weniger fahren. Freie Fahrt für reiche Bürger? Wahrscheinlich! Trotzdem wird das Auto eine gewichtige Rolle behalten.

Der motorisierte Individualverkehr wird bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zunehmen und der Güterverkehr um 34 Prozent steigen.

ACC-Systeme haben einen schon ab einer Verbreitung von 5% eine spürbare positive Wirkung auf den Verkehrsfluss.

Aktuellere Stauinfos bringen nichts: Derzeit ist die Psyche der Autofahrer ein entscheidender Punkt: Bei Zeitdruck ist es derzeit immer noch besser, in den Stau hineinzufahren. Wenn das alle machen würden, wäre dieser Tipp jedoch nichts mehr wert.

Maßnahmen zur Stau-Umgehung sind umstritten, weil die Umwege in Summe mehr Verkehr verursachen. Eine dynamische Routenführung bringt in der Rushhour nur 4% Entlastung, bei Sperrungen oder Unfällen dagegen 20% Entlastung.

Besser ausgebaute Straßen machen den Verkehr zwar zunächst flüssiger, ziehen dadurch aber auch zusätzliche Autos an, weil dadurch z.B. mehr Leute ins Umland ziehen (induzierter Verkehr).

„Ruhrpilot“ setzt auf Intermodalität und hat zum Ziel, für jeden Weg die optimale Reisekette von Tür zu Tür aus individuellen und öffentlichen Verkehrsmitteln zu ermitteln, unter der Berücksichtigung von Verkehrslage, Fahrplänen und Fußwegen. TR erweckt den Eindruck, als würde bei intermodalen Verkehrswegen kein induzierter Verkehr entstehen. Ob das beabsichtigt war?

Autofahrer zeigen sich resistent gegen steigende Spritpreise. Trotz Ökosteuer stieg die Fahrleistung von 1999 bis 2003 um 2%.

Der Anteil des Autos am Budget von Haushalen von mittlerem bis hohem Einkommen ist von 12-16% in 1965 auf 9-11% in 1998 gesunken. Inflationsbereinigt ist der Preis von Diesel auf dem Niveau von 1970.

Maut: Die Frage ist zwar wann und wie, aber die Maut für alle wird kommen, weil sie auf marktwitschaftlichem Wege die Verteilung der knappen Ressource Strasse regelt. Wobei ich mich frage, wo sonst soll ich den Ökosteuer-belasteten Kraftstoff verbrauchen, als auf der Strasse? Was ist also an einer Maut anders als an der Ökosteuer? Daher verstehe ich folgende Vision nicht: „Eine Benutzungsgebühr für alle Straßen und sämtliche Fahrzeuge soll Mineralöl- und KFZ-Steuer vollständig ersetzen.“ Folgende Idee ist zwar ganz reizvoll: Je nach Verkehrsbelastung kann solange ein Verkehrszuschlag auf die Basisgebühr aufgeschlagen werden, bis es keinen Stau mehr gibt. Aber den Basisbetrag kann man doch wohl einfacher und günstiger über Mineralöl- und KFZ-Steuer eintreiben, oder?

Die Idealgeschwindigkeit, bei der die meisten Autos durchgeschleust werden können, liegt zwar bei ca. 120 km/h, aber dabei segelt man sehr nahe am Rand des Kollapses. Daher werden oft 85km/h genannt.

Unter autobahn.nrw.de gibt es bereits Reisezeit-Prognosen.

Ein Schild mit einer Internetadresse an einer Baustelle tat seine Wirkung: Die Zahl erboster Zuschriften und Anrufe ging rapide zurück. Das erstaunt mich. Wegen des Medienbruchs hätte ich etwas anderes erwartet.

Eine integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ) vernetzt in Stuttgart erstmals Polizei, Straßenverkehrs- und Ordnungsamt und Verkehrsbetriebe. Auch ungeplante Ereignisse, wie Unfälle oder Notbaustellenwerden erfasst. Super, und warum werden die noch nicht in der Karte des Navigationssystems angezeigt?

Visionen: Die Magnetschienen-Autobahn aus dem Film „Minority Report“ basiert auf einer mehrtägigen Diskussion von hochrangigen Experten und Wissenschaftlern. Es gibt aber auch Wissenschaftler, die ein unterirdisches Rohrpostsystem für Euro-Paletten befürworten.

Fahrerlosigkeit ist ein Kernpunkt vieler Verkehrsvisionen. Der Futurologe Matthias Horx geht aus psychologischen Gründen aber eher von individuell gesteuerten Autos aus und hält 20 unterschiedliche Zapfsäulen an Tankstellen für wahrscheinlicher.

Meine Meinung: Wenn erstmal alle Datenschutzbedenken ausgeräumt sind und alle Verkehrsteilnehmer mit Transpondern vernetzt sind, dann wird der Verkehrsfluss Computer-optimiert nur noch so flutschen. 😉

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2 Antworten to “Technology Review: Wege aus dem Stau”

  1. Mein Notizblog » Blog Archive » B4 bei Rötgesbüttel 4-Spurig Says:

    […] Mein Notizblog Fakten, Kommentare, Tipps und Gedanken von Torsten Crull « Technology Review: Wege aus dem Stau […]

  2. » Ende der Sommerferien 2006 - Staugefahr Says:

    […] Von Mitte August bis in den September hinein vergessen jährlich Nutzer der Autobahn das Ende der Sommerferien in den einzelnen Bundesländern. Der informierte Kraftfahrer aber plant seine Fahrten vor Fahrtantritt. Dazu gehört neben einer Routenplanung auch das Hören von Infosendern zu Stau, Strassenverhältnissen, Baustellen, Unfällen und Umleitungen. Ein echter Planer hat auch die Ferientermine im Kopf. […]

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