Nachruf für Hans-Egon Leissa

Leider habe ich erst kürzlich erfahren, dass Hans-Egon Leissa Anfang Mai im Alter von 64 Jahren verstorben ist.

Ich habe ihn als „unseren Ortshistoriker“ und einen Menschen mit ausgeprägten Charaktereigenschaften in Erinnerung. Deshalb erlaube ich mir ein Urteil, obwohl ich ihn nur einmal getroffen habe. Nach einem Hinweis aus der Dorf-Enwicklungs-Planung hatte ihn telefonisch gefragt, ob er mir mir seine geschichtlichen Aufzeichnungen als Bereicherung für unsere Rötgesbüttel-Homepage zur Verfügung stellen würde. Wie ich im Google-Cache nachlesen konnte, habe ich mich am 10. September 2004 mit Hans-Egon im Gasthaus Ruge getroffen.

Als ich herein kam, saß er bereits am runden Tisch in der Ecke, und eine CD-R lag vor ihm auf dem Tisch. Wir kamen in’s Gespräch und er erzählte mir von seinen Aktivitäten und der Zusammenarbeit im Arbeitskreis Dorfgeschichte. Er erzählte von Fundstücken, deren Datum er ermittelte und vieles andere. Wahnsinn, wieviel Fleiss und Mühe und Sorgfalt er in sein Hobby gesteckt hat. Am Ende erklärte er mir die Recherche-Arbeit eines Historikers und wie leicht es passiert, dass Geschichte verfälscht oder umgeschrieben wird. Er kannte sich wirklich gut aus und konnte alles mit Beispielen untermauern. Er sagte mir auch, dass es noch einiges zu tun gäbe, denn neben der der Lektüre von Hauptlehrer Bolte hätte er noch viele weitere historische Schiften, die er noch abtippen wolle. „Diese Schriften sind sehr schwer zu lesen“ sage er. Ich befürchte, er hat das abtippen vor seinem Tod nicht mehr geschafft.

Als ich ihm von den Möglichkeiten des Internets erzählte, war er der neuen Technologie und den vielen Möglichkeiten gegenüber sehr offen und aufgeschlossen, aber Hans-Egon hinterfragte auch alles sehr genau. Ich hätte seine Aufzeichnungen am liebsten in einzelne Kapitel zerlegt und in einem Wiki (z.B. Wikipedia) veröffentlicht.

Hans-Egon war ein akkurater Historiker und wußte genau was er wollte: Er erklärte mir seine Bedenken und langsam begriff ich, worauf er u.A. hinaus wollte: Abschriften, wie die von Hauptlehrer Bolte sollten einerseits als Quellmaterial möglichst originalgetreu erhalten bleiben, andererseits sollten unvollständige, einseitige oder offenbar falsche Darstellungen nicht unkommentiert bleiben und richtig gestellt werden. Er hatte Bedenken, dass andere Personen seinen Text verfäschen und später keiner mehr weiss, was gut recherchiert und belegbar ist und was nicht. Und damit zeigte er offenbar Weitblick, wie die aktuelle Diskussion und Berichterstattung um das neue Kunstwort „Wikiality“ beweist: In einem Wiki kann jeder „seine Realität“ so hindrehen, wie er sie gern hätte, und wenn niemand wiederspricht, wird es so akzeptiert.

Mit einem geeigneten Content-Management-System könnte man Hans-Egons Anforderungen umsetzen, aber da ich für die Homepage damals nur ein Wiki vorgesehen hatte, blieb mir nur, ihm das PDF-Format anzubieten. Klar, einen 100%igen Kopierschutz gibt es nicht, aber letzlich willigte er ein. Endlich schob er mir die CD, die immer noch vor uns auf dem Tisch lag, herüber und gestattete mir die Veröffentlichung.

Ich hätte gern noch mit ihm und dem Arbeitskreis Dorfgeschichte daran gearbeitet, die einzelnen Textbausteine zu attributieren um daraus verschiedene, nach bestimmten Kriterien gefilterte und gruppierte Internetseiten daraus zu erzeugen. Ich werde auf jeden Fall den Arbeitskreis Dorfgeschichte darauf ansprechen, ob wir zumindest diesen Teil noch vollenden wollen. Die Dateien waren seit der Kündigung unseres Webhosters offline, aber hier sind sie wieder (danke, Kai):

Ich bin sehr traurig.

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