Brauche ich eine neue Kamera?

Ich bin im Internet zufällig über einen alten Streit von Rolf Badenhausen mit Dietmar Wüller und Carsten Meyer gestoßen. Der Streit wirkt wie eine kindisches Kräftemessen, wer von denen sich für den „Schlauesten“ hält. Rolf Badenhausen schreibt ein ziemlich pseudowissenschaftliches Thesengeschwafel und wirft den anderen selbiges vor.

Im Grunde haben alle etwas Recht und meinen fast das Gleiche. Bei Vollformat-Kameras (24 x 36mm) sind bis zu 96 Megapixel für eine gute Bildqualität noch gut geeignet.

Die knapp 37 Megapixel einer Nikon D800 machen demnach physikalisch also durchaus Sinn, erst Recht, wenn man bedenkt, dass davon nur rund 9 Megapixel blau und rund 9 Megapixel rot sind, wie an dem Ausschnitt mit dem roten Gaubenfenster zu erkennen ist. Der Kamera-Sensor sieht die Welt so wie im rechten Bild:

BayerBsp

Kuzer Exkurs: Die Auflösungen von Kameras und Objektiven kann man mit dem Maß „Linien auf Bildhöhe“ vergleichen. Es gibt natürlich viele Arten von Abbildungsfehlern in Objetiven (Aberration, Astigmatismus, Koma, …). Bei den Kameras zählen nicht nur die Auflösung (Megapixel) und die Lichtempfindlichkeit (ISO, Rauschen), sondern auch Blooming und andere Effekte. Da das Maß „Linien auf Bildhöhe“ aber in der Regel mit den anderen optischen Qualitäten von Objektiven bzw. Kameras korreliert, kann man es gut zum Vergleich zwischen Kamera- und Objektivqualität verwenden. Details siehe unten.

Brauche ich denn nun eine neue Kamera?

Meine aktuelle Ausrüstung ist

  • eine Nikon D700 mit nur 12 Megapixeln (für rund „2010 Linien“)
  • ein Tamron AF 28-75mm f/2.8 (max. ca. „1990 Linien“) und
  • ein Nikkor AF-S 70-200mm f/2.8G (max. ca. „3200 Linien“).

Die Nikon D800 liefert – wie meine D700 – bis ISO 6400 brauchbare Bilder und es gibt durchaus Objektive mit einer adäquaten Auflösung von rund „3500 Linien“ (z.B. Nikkor 70-200mm 2.8 G VR II und Nikkor 85mm 1.4). Ein Kauf der 37 Megapixel-Kamera könnte sich also lohnen. Meine D700 könnte ich dann sogar verkaufen.

Ich finde aber gerade Aufnahmen bei wenig Licht sehr faszinierend und mag keine Fotos mit viel Blitzlicht. Daher ist mir hohe Lichtempfindlichkeit wichtiger als eine sehr feine Auflösung. Die Nikon D4 liefert bis ISO 12800 brauchbare Bilder und hat rund 16 Megapixel, angemessen für rund „2330 Linien“. Die D4 ist mir aber zu teuer; sie kostet rund 5500€ und hat nichtmal einen eingebauten Blitz. Vielleicht stimmen die Gerüchte und in 2013 kommt ein „D800 sized body with the sensor from the D4„. Im Extremfall macht der D4-Sensor sogar 204800 ISO. Bei ab 3200 ISO reicht in der Regel auch der eingebaute Blitz, um eine leichte Aufhellung zu erreichen.

Fazit:

Um die Nikon D800 auszureizen, wären mir die neuen Objektive (s.o.) zu teuer, falls ich nicht zufällig beim Lotto gewinne. Aber falls eine „Light-Version“ der D4 erscheint, würde sie mich reizen: Höhere Empfindlichkeit und kaum ein Grund, sich neue Objektive zu kaufen. Eventuell würde ich die alte D700 verkaufen und das alte Tamron 28-75mm gegen ein neues Tamron 24-70mm 2.8 VC mit Bildstabilisator ersetzen. Selbst bei offener Blende f/2.8 könnte dieses Objektiv noch seine vollen Qualitäten am 16 Megapixel-Sensor ausspielen.

Trotzdem: Auch eine hohe Auflösung wäre faszinierend. 3µm kleine Pixel, die Dietmar Wüller als Mindestmaß für eine gute Bildqualität ansieht, sind technisch seit Jahren in Minikameras kein Problem. Das entspricht beim Vollformat 96 Megapixeln; dafür wird es in den nächsten Jahrzehnten aber kaum geeignete Objektive mit einer Auflösung von knapp „5700 Linien“ geben und erst recht keine bezahlbaren. Man kann auf die Weiterentwicklung der Optik in den Objektiven gespannt sein. Vielleicht kann ich mir irgendwann als Rentner eine Kamera mit 96 Megapixeln kaufen, falls es dann auch adäquate Objektive dazu gibt.

Noch ein Detail für Experten: Beim Vergleich von Kamera- und Objektivauflösung spielen der Pixel-Faktor bzw. der „Visus“ (siehe „Echte und bunte Pixel“) eine wichtige Rolle. Außerdem lassen sich auch mit weniger als 50% Kontrast noch Details abbilden, die sich in der Bild-Nachbearbeitung durch „Schärfen“ herausstellen lassen. Kombiniert man diese Effekte, lassen sich ca. 70% der „Pixel in der Bildhöhe“ etwa mit den MTF50-Wert „Linien in der Bildhöhe“ von Objektiven vergleichen.

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